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Freiheit des Kanonenfutters

 

Michael L. Hübner. Havelsee. Warum siegte das zahlenmäßig stark unterlegene griechische Heer seienrzeit bei Marathon über das gewaltige Expeditionskorps der damaligen Weltmacht Persien? Antwort: Weil die Griechen für ihre Heimat, Leben und Freiheit kämpften – neunzig Prozent die Perser jedoch kämpften, weil sie es mussten, weil ihr Gottkönig es so wollte – auf fremder Erde für Interessen, welche schwerlich die Ihrigen waren.

Was lernen wir Nachgeborenen daraus? Motivation ist die Hälfte des Sieges – respektive der Niederlage!

Als die Mauer noch stand, gab es eine besondere, meistens leise wirkende Strategie innerhalb des Kalten Krieges. Die lautete in etwa wie folgt: Ich zeige deinem Volke, Feind, über die Mauer hinweg die Vorzüge meines Systems und damit schwäche ich deine Wehr- oder Angriffsbereitschaft.

Die DDR verwies zum Beispiel auf ein kostenloses Gesundheits- und Kinderbetreuungssystem und plakatierte die – allerdings nur theoretische – Abkehr von der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Das zog im Westen nicht besonders, weil sich die Westdeutschen kraft ihrer Reisefreiheit in der DDR mit eigenen Augen von den Schattenseiten des Systems überzeugen konnten und das, was sie sahen, wog das nicht auf, was die DDR so anpries.

Westdeutschland hingegen schickte über den Fernsehfunk und dessen Werbung die Botschaft von den vollen Kaufhaus-Regalen und den vielen, modernen Konsumprodukten, von denen die DDR-Bürger nur träumen konnten.

Die wichtigste Botschaft aber war die von der persönlichen Freiheit des Individuums: Barcadi saufen unter Palmen in der Karibik, Flanieren auf der Champs d'Elysees, Urlaub am Mittelmeer, durch Kanäle und Grachten gondeln in Amsterdam und Venedig. Damit traf sie die Achillesferse der Greise von Wandlitz. War doch die Mauer schon aufgrund ihrer Bauweise und damit der für jedermann erkennbaren Zielrichtung ihrer Sperranlagen alles andere als ein antifaschistischer Schutzwall, sondern beschnitt die eigenen Bürger mit tödlichen Konsequenzen an ebendieser Freiheit.

Deshalb war auch jedem sofort klar, was Reagan am Brandenburger Tor forderte, als er den Genossen Zaren Gorbatschow aufforderte, das Tor zu öffnen: nicht ein μ weniger nämlich, als die Generalkapitulation der Welt des Sozialismus. Aus der Roten Fahne der Arbeiterklasse über dem Brandenburger Tor sollte eine weiße, eine Fahne der Kapitulation vor dem Westen werden.

Diese Rechnung ging exakt und mit mathematischer Präzision berechenbar auf und dem Western-Schauspieler-Präsidenten Mr Reagan wurde die Ehre zuteil, dass man einen Flugzeugträger nach ihm benannte.

 

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Jetzt schauen wir uns doch mal die Situation in der gegenwärtigen Bundesrepublik an:

Das Land hat extreme Probleme damit, die Reihen seiner "Bürgerinnen und Bürger in Uniform" bis zu einem geforderten Mindestmaße aufzufüllen.

Nur wenige Deutsche im entsprechenden Alter haben Lust, ihre Tage auf der Sturmbahn, im Feldlager oder in einer Kaserne zu verbringen und für die Zeit eines Pflichtwehrdienstes ihre Freiheit am Kasernentor zugunsten eines militärisch durchgeregelten Alltags abzugeben.

Das ist ja gerade die Kalamität seit jeher für die Hohen Militärs und die mit ihnen unter einer Decke steckenden Politiker-Eliten: Sie müssen immer dort strafbewehrte Pflicht und martialischen Zwang einführen, wo sie meinen, dass das gebraucht wird, aber – kaum jemand will! … Steuern, GEZ, Wehrdienst …

 

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Nun einen Blick auf die Nachbarschaft geworfen!

Aus altem, im deutschen Faschismus wurzelnden Russlandhass wurde nunmehr im europäischen Osten die postsowjetische und von Bandera schon immer faschistisch angehauchte, korrupte, politische Elite der Ukraine um den Bösen Clown aus Kiew zu den Staatsfreunden Nummer 1 erkoren.

Dieses Bündnis korrespondiert glänzend mit den entsprechenden historischen Erfahrungen: Es waren vornehmlich die Ukrainer, die nach "Barbarossa" die Deutsche Wehrmacht, die SS und die Einsatzgruppen mit Blumen und als Befreier begrüßten. Wer die Ukrainer aufrief ihre Juden ans Messer zu liefern, brauchte nur ein wenig in die ohnehin schwelende Glut zu pusten. In Galizien und Wolhynien hatte man sich bereits seit Jahrhunderten Kompetenzen in puncto Pogrom- Durchführung erworben.

Dass ausgerechnet Selensky das vergessen hat, ist der wohl beispielloseste Hochverrat an seinen eigenen Leuten aus dem Hause Davids.

Nun, im fünften Kriegsjahr muss er Rollkommandos durch seine Städte und Dörfer schicken, welche alles mit vorgehaltener Waffe für den Frontdienst rekrutieren, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.

Auch diese Rollkommandos dürften über einen gewissen historischen Erfahrungsvorrat verfügen: Nichts anderes taten ja während der völlig geisteskranken und komplett aus dem Ruder gelaufenen Jeschowtschina die GPU-Leute, die ihnen unbekannte Mitbürger von der Straße weg auf ihre LKW verfrachteten, um sie Minuten später als Klassenfeinde über den Haufen zu ballern, ohne sie vorher überhaupt nur nach deren Namen gefragt zu haben.

Nur zum besseren Verständnis: Das war für die lokalen GPU-Kommandeure überlebensnotwendig, denn in der Planwirtschaft musste jedwedes Produktionsergebnis den Planvorgaben entsprechen.

Wenn der Plan also nun gewisse Quartalszahlen für die Liquidierung von Klassenfeinden und deren Sabotage-Helfern vorsah, dann sollte dieser "Bodycount" besser um wirklich jeden Preis nachgewiesen werden, sonst konnte es schnell passieren, dass die Differenz mit den GPU-Leuten selbst aufgefüllt wurde. Das war so um die 1938er Jahre herum und die Liquidierten angefangen von Marschall Mischa Tuchatschewski bis hin zur kleinen Fabrikarbeiterin, die ihre Kinder nie wieder sah, nur weil sie den Fehler beging auf dem Weg von der Arbeit nach Hause den GPU-Schergen in die Hände zu laufen, fehlten ab Julei 1941 schmerzlichst an allen Ecken und Enden.

Ja, also lässt der Böse Clown nun auch seine Männer von der Straße weg schanghaien – und ein Blick an die Front zeigt uns, dass wir mit dem oben Postulierten absolut recht haben: Die Zahl der Desertionen lässt die ukrainischen Heeresverbände beinahe übler ausbluten, als es die verfeindeten russischen Brüder tun. Die Motivation zu überleben ist alleweil höher, als die eigene unwiederbringliche Existenz und die eigene Gesundheit für amerikanische Interessen an ukrainischen Ressourcen zu opfern.

Übrigens wird von russischer Seite her ähnliches berichtet. Der Zar soll seinen Gefängnisinsassen "Freigang an der Front" offerieren, was sich dann im Nachgang – sollte das Kanonenfutter dieses böse Abenteuer versehrt oder unversehrt überstehen – strafmildernd auswirkt.

Das ist übrigens das Prinzip der "Merseburger", welches schon unser deutscher Herr König Heinrich I. der Vogeler und Vater unseres Herrn Kaisers Otto des Großen vor eintausendeinhundert Jahren mit einigem Erfolg anwandte: Lass desperate Galgenvögel gegen den Feind anstürmen und du hast ein paar hoch- und doppelt motivierte Kampfmaschinen, denen nicht nur die Aussicht auf eine schnellere Haftentlassung winkt, sondern die darüber hinaus noch ihre pathologisch-kriminellen Triebe ungestraft ausleben dürfen. Das ist von wahrhaft bösartiger und teuflischer Genialität.

Vielleicht sollte die Bundesregierung dieses deutsche Patent aufgreifen und mit der nunmehr routinierten Schamlosigkeit eventuell vorhandene Bedenken über Bord kippen! Mehr Motivation wird sie wohl nie wieder generieren können.

Nein, die Jugend sieht weder einen Reiz noch einen Gewinn darin, für ein Land zu bluten, was vor ihren Augen kollabiert, dessen Führungseliten sie schröpft und belügt und ihre Freiheit auch außerhalb der Kasernen jeden Tag mehr beschneidet.

Jetzt hat die Truppe um den Falken Pistolius die eine Kugel zu viel abgefeuert: Sie wollten, dass deutsche Männer in den Wehrkreiskommandos "bitte, bitte" sagen müssen, wenn sie sich länger als drei Monate lang aus dem Lande und damit dem Zugriffsbereich der Armee zu entfernen gedenken. "Ja was denn? Mann will doch nur wissen, wie viele Leute man im Bedarfsfalle zur Verfügung hätte und wo die gerade stecken und ob es lohnt eine Briefmarke auf den Gestellungsbefehl zu kleben. Kinders, nu seid mal nicht so pingelig …" So oder so ähnlich windet man sich im Bendler-Block.

Dabei gehörte doch gerade die unumschränkte Reisefreiheit als zentrale, repräsentativste Säule der persönlichen Freiheit zu den schärfsten Waffen des Kalten Krieges in den Händen der Kapitalisten. Ein solches Ansinnen damals vorgetragen, hätte einen Krawall gegeben, neben dem Gorleben nur ein harmloses Geplänkel gewesen wäre. Da wären Köpfe in Divisionsstärke gerollt!

Aber der Konkurrenzdruck gegen ein grundlegend anders gestricktes System ist mit diesem verschwunden. Also wozu noch an diesen nur als Waffe gebrauchten Versprechungen persönlicher und grundgesetzlich garantierter Freiheiten festhalten?

Ist dieser Konkurrenzdruck wirklich erledigt? Ein Blick auf die moderne Silhouette Moskaus weckt da so unsere Zweifel. Bereits Warschau macht einen absolut progressiveren Eindruck als das in seinen biedermeierlichen Tiefschlaf versinkende und in seinem zunehmenden Dreck und seiner allgegenwärtigen Dysfunktionalität erstickende Berlin.

Beginnt die Bundesrepublik Deutschland nunmehr peu a peu die Rolle der von ihr beerbten DDR unseligen Angedenkens zu übernehmen und zu spielen? Nun, dass das so ist, der Verdacht erhärtet sich seit langem Tag für Tag mehr.

Dieser Fauxpas, den sich das Pistolius-Ministerium so kleinlaut und rasch zu korrigieren beeilte, wie ein Pennäler, der mit heruntergelassenen Hosen erwischt wurde, ist nur ein weiteres, wenn auch besonders glitzerndes Mosaiksteinchen im großen Drama um den Zusammenbruch einer einst strahlenden Demokratie und funktionierenden sozialen Marktwirtschaft – die freiwillig zu verteidigen sich noch vor fünfzig Jahren durchaus lohnte.

Ja, Tatsache: Es gab Zeiten, da rannten junge Männer der Bundeswehr die Bude ein, weil sich über sie so ein herrlich durchfinanzierter Karrierestart auch für einen späteren zivilen Bereich der Erwerbstätigkeit erreichen ließ.

Wie gesagt, das ist nun alles vorbei. Abgesehen davon: Warum soll man dieses Land eigentlich noch verteidigen. Der Zar und seine Russen müssten wirklich völlig bekloppt sein, würden sie dafür auch nur ein blaues Auge oder einen verrenkten Zeh riskieren.

Ganz ernsthaft gefragt: Was hat den Deutschland außer Verfall der Infrastruktur, Deindustrialisierung, Rohstoffarmut, Verblödung der nachwachsenden Generation, herangezüchtetes multiethnisches Konfliktpotential und hoffnungsloser Überschuldung zu bieten?

Attraktiv ist das Eichen- und Lindenland doch nur noch durch seine zentrale Lage in Westeuropa und seine eisfreien Häfen an Nord- und Ostsee. Vielleicht auch noch durch das Potential zur extensiven Reproduktion, welches sich aus dem gegenwärtigen Niedergang ergibt … ganz so, wie 1945. Diesbezüglich aber wären gewaltige Investitionen vonnöten und wer sollte die wohl stemmen wollen!

… und mit wem sollten diese Investitionen umgesetzt werden? Mit diesem Volk und seiner totalen Abkehr vom Leistungsprinzip? Da lachen ja sämtliche Hühner Russlands.

Nee, interessant und als rote Warnleuchte zu begreifen ist allein die durch den "Drei-Monats-Erlass" aus dem Kriegsministerium des Herrn Pistolius, dass man sich nach 2015, Corona und den nun explodierenden Spritpreisen einen weiteren Schritt über alle roten Linien hinweg zutraut.

Nur – diesmal ging's schief. Diesmal zog Michel seine Zipfelmütze vom Kopf und sagte: STOPP!

Ach du je! Wenn der dröge Michel das erst realisiert, dass sein STOPP etwas bewirkt und den Übergriffigkeiten eines außer Kontrolle geratenen Staatsunwesens Einhalt gebieten kann, dann könnte das bedeuten, dass wir in Deutschland bald einen politischen Domino-Day ausrichten – und zwar von Kap Arkona bis nach Garmisch-Partenkirchen!

Auf das Geklapper der nacheinander kippenden Steinchen freuen wir uns schon wie die kleinen Kinder. Auf bald!

… und, Herr Pistolius: Noch hauen wir ab, wenn wir das können, solange wir wollen und fragen dich einen feuchten Dreck um deine Erlaubnis. Kannst uns ja die Staatsangehörigkeit entziehen. Das ist auch eine beliebte deutsche Tradition, von der unter anderem die Herren Dr. Kurt Tucholsky, Thomas Mann und Wolf Biermann ein Liedchen zu singen wissen.

Mittlerweile ist es so weit, dass wir traurig sagen müssen, der Verlust dieser Staatsbürgerschaft entspricht nicht mehr dem goldenen Ehering, den man vom Finger weg verliert. Ein Steinchen im Schuh diente derzeit als besseres Analogon.

33. Volumen

©B.St.Ff.Esq., Pr.B.&Co,2003

19.04.2026